Kaum jemandem gegenüber verspüren wir mehr Wut, als dem Partner bzw. der Partnerin und den Kindern gegenüber. Das sind die Menschen, die uns in der Regel am meisten reizen.

Kleine Sätze wie: „Kannst du die Socken mal in den Wäschesack tun!“, „Hör auf, mit dem Ball gegen die Tür zu kicken!“ oder „Mach das Handy aus!“, können zur absoluten Eskalation führen – gerade jetzt, wo wir infolge des Virus im Homeoffice oder Kurzarbeit den gesamten Tag in einer Wohnung sitzen.

Heute möchte ich mich mit unserem Eltern- und Partnerschaftsverhalten beschäftigen – denn Verhalten ist nicht unumstößlich festgeschrieben. Wir können Eskalationen vermeiden.

Du kennst Dich am besten, was sind die Themen, die Dich am meisten reizen? Vermutlich wiederholen sich diese? Kannst Du an diesen Situationen etwas verändern – vielleicht präventiv?

Präventiv könnten folgende Fragen helfen, damit du als Eltern dein Nervenkostüm stärkst:

  • Ärgere ich mich über jemand ganz anderen oder etwas ganz anderes?
  • Bin ich neidisch, dass mein Kind solange im Bett liegt, während ich arbeiten muss?
  • Habe ich gerade Ängste?
  • Gehen mir gerade alle in der Wohnung auf den Wecker?

Aber auch ganz banal:

  • Bin ich hungrig (sprich, unterzuckert und deshalb besonders reizbar)?
  • Bin ich ausgeschlafen?

Es ist ganz einfach: Wenn wir nicht mehr können, kommt das ganze Familiensystem ins Schwanken.

Um im Gleichgewicht zu bleiben, ist es wichtig, dass wir uns um uns kümmern! Und gerade jetzt, wo bei fast allen die Nerven etwas blanker liegen als gewöhnlich, ist Selbstfürsorge entscheidend.

Und die Maßnahmen sind mitunter ganz schlicht: Iss. Sprich dich mit Deinem Partner, Deiner Partnerin ab, wer ausschlafen kann. Sprich mit anderen über deine Sorgen, damit sie nicht nur in deinem Kopf sind.

Aller Bemühungen zum Trotz kommen viele von uns dennoch immer wieder in Situationen, in denen man ausrasten könnte.

Wenn Du das kennst, kann es helfen, sich in einem ruhigen Moment einen „Aussteiger“ zu überlegen. Aussteiger helfen um aus der Wutspirale austreten zu können. Sie können dich runterholen und verhindern, dass Du Deinen Partner, Deine Parterin oder auch Dein Kind anschreist oder wohlmöglich schlägst.

  • Es kann helfen, in einen anderen Raum zu gehen
  • Es kann helfen, vor die Tür zu gehen und eine Runde um den Block zu machen
  • Es kann helfen, jemand anzurufen
  • Es kann helfen, Sport zu machen
  • Es kann helfen, ins Schlafzimmer zu gehen und in die Kissen zu hauen
  • Es kann helfen, sich einen Kaffee oder Tee zu kochen
  • Es kann helfen Musik, zu hören. Gut ist auch, dabei zu singen
  • Es kann helfen, Hausarbeit, zu machen
  • Es kann helfen, zu duschen
  • Es kann helfen, in den Keller zu gehen und zu brüllen

Überlege doch mal, was Dein Aussteiger sein könnte, damit Du ihn das nächste Mal parat hast.

Natürlich ist Wut häufig nicht ganz einfach in den Griff zu kriegen – es können tieferliegende Themen sein, die uns immer wieder in die Wutspirale bringen. Hier kann Beratung eine Unterstützung sein. Oder Du hast das Eskalieren schon so verinnerlicht, dass es schwerfällt, ein neues Verhalten auszuprobieren. In dem Fall muss man länger üben. Ehrlich gesagt: Das trifft wohl fast auf uns alle zu.

Ein Unterstützung um das Verhalten zu ändern, ist der Gedanke: Mit Wut kann man nichts erreichen. Um Absprachen zu treffen, Grenzen zu setzen, ist es wichtig, dass wir unser Gegenüber erreichen ohne Wut.